DIE SOLARE REVOLUTION IN DEUTSCHLAND: GASTBEITRAG VON THOMAS KERCHER FÜR DEN BRITISCHEN ENERGY AND CARBON BLOG

Ludwigshafen , 28.10.15
Guest Post by Thomas Kercher on the energy and carbon blog
Thomas Kercher, Geschäftsführer der Pfalzsolar GmbH, hat in dieser Woche einen Gastbeitrag zum Thema Solare Revolution in Deutschland auf dem Energy and Carbon Blog der britischen Energie-Analysten Gerad Reid und Gerad Wynn veröffentlicht. Die beiden Gründer und Autoren des Blogs veröffentlichen dort regelmäßig Einblicke und Analysen aktueller Trends in Sachen Energiewende.

In seinem Gastbeitrag „Die Solare Revolution – zum Greifen nah!“ thematisiert Kercher die weitreichenden Veränderungen des nationalen und internationalen Strommarkts, bedingt durch die zunehmende Wettbewerbsfähigkeit von Solarstrom und Speichersystemen. Den vollständigen Artikel (Englisch) finden Sie hier.

Deutsche Übersetzung des Artikels:

Die Solare Revolution – in Deutschland zum Greifen nah!

Schon lange bevor die deutsche Bundesregierung im Jahr 2000 das erste „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ verabschiedete, hatten die Akteure im Solarbereich einen gemeinsamen Traum: Unabhängigkeit. Die „Solare Revolution“, so scheint es, erfüllt diesen Traum nicht nur – sie verändert auch internationale Strommärkte nachhaltig.

Die Sonne schreibt keine Rechnung

Zahlreiche Studien belegen: Insbesondere in Deutschland ist die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten eine der größten Ängste der Bevölkerung. Die Stromkosten spielen dabei eine zentrale Rolle. Was die Angst mindern kann? Solarstrom. Denn: Günstige Preise für saubere Energie sind längst nicht mehr das Wunschdenken einzelner Idealisten, sondern zum Greifen nah. Durch Unabhängigkeit von Förderungen, politischer Willkür und Opportunität könnten PV Anlagen eine energetische Antiglobalisierung bedeuten. Das heißt: Unabhängigkeit vom Weltmarkt, Ölkrisen und Megatrends.

Unbegrenzt und speicherbar? Ja!

Eine Energie, die speicherbar ist und in unbegrenztem Maß zur Verfügung steht: Aktuell sind wir der Erfüllung dieses Traumes näher als je zuvor. Schon heute ist PV-Strom in vielen Regionen der Welt mehr als wettbewerbsfähig und dabei lassen wir die Dieselsubstitution sogar außen vor. Betrachtet man die Preisentwicklung am deutschen PV-Markt und die daraus resultierende Trendlinie, wird unweigerlich klar: Nicht nur die Kosten für PV-Systeme reduzieren sich drastisch. Auch hochleistungsfähige Batteriespeicher erobern rasant schnell den Markt. Die Marktfähigkeit der neuen Speichersysteme ist ein essentieller Pluspunkt für die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen – und damit auch für die zunehmende Unabhängigkeit von PV. Dank dieser Entwicklung werden mit Batteriespeichern ausgestattete, für den Eigenverbrauch optimierte Photovoltaikanlagen zukünftig zur Standardausrüstung von Gebäuden gehören, wie etwa eine Dusche oder ein Telefonanschluss.

Vom Traum zur Realität

Die solare Revolution des Energiemarktes ist nicht aufzuhalten, auch wenn die Politik vielerorts mehr bremst als fördert, um die etablierten, über Jahrzehnte entstandenen Energieinfrastrukturen „in Ruhe“ anzupassen. Auch die Gewinnwarnungen der großen Energieversorger verdeutlichen den Wandel.

Bezogen auf den deutschen Strommarkt ergeben sich hieraus mögliche Szenarien mit weitereichenden Folgen. Das derzeitige Strommarktdesign, mit dem System der Umlage von Kosten für beispielsweise das Netz auf den Verbrauch, ist für eine massive Zunahme des Eigenverbrauchs nicht gerüstet. Je kleiner die zur Verteilung ansetzbare Energiemenge aus dem Netz, je höher wird die Kostenumlage auf die verbleibenden Kilowattstunden. Bei zunehmendem Eigenverbrauch müsste dann die letzte aus dem Stromnetz bezogene Kilowattstunde die gesamten Kosten tragen und wäre damit unvorstellbar teuer. Netzbetreiber fordern deshalb bereits eine sinnvolle Alternative: Die Umstellung auf Leistungspreise bezogen auf die zur Verfügung gestellte Anschlussleistung. Das Prinzip ist einfach, verursachergerecht und setzt die richtigen Anreize für Verbraucher: Leistungsspitzen vermeiden. Dies wird eine Reihe von Geschäftsfeldern ermöglichen und den Einsatz von Batteriespeichern stark fördern. In diesem Zusammenhang zeigt sich auch die wachsende Bedeutung der oft stiefmütterlich behandelten Themen Lastmanagement und „Smart Home“.

Das Szenario lässt sich weltweit übertragen. Ermöglicht durch die günstigen Stromgestehungskosten wird es die Weltenergiemärkte zwangsläufig erreichen. Eine Abschottung der Märkte durch Verordnungen und Gesetze kann diese Entwicklung nicht aufhalten, nur verzögern. Die solare Revolution ist nicht zu stoppen! Wenn die Vorhersagen für die Kostenentwicklung bei PV-Modulen und Speichern sich bewahrheiten, werden Träume war.